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14.05.2020

FOMO (Fear of missing out) – Warum Social-Media-Sucht nicht unterschätzt werden sollte

„Wow, schon 100 Likes“, freut sich der junge Unternehmer, der gerade ein Bild seines Frühstücks über alle möglichen Social-Media-Kanäle gepostet hat. Es zeigt eine stylische bunte Keramikschüssel, darin frisches Obst und Quark, garniert mit Goji-Beeren und Chia-Samen – #healthyfood. Das interessiert seine Follower sehr viel mehr, als ein Bild von einem belegten Eierbrot nebst Kaffeetasse. Und Kaffee ist sowieso out. „Vielleicht morgen mal einen Smoothie posten?“, überlegt der junge Mann, der vor lauter Gedanken fast seinen Anschlusszug verpasst hat.

Die Sucht nach Anerkennung

Wenn ich unentwegt auf mein Handy glotze, geht‘s nur um eine einzige Sache: FOMO. Das heißt „fear of missing out“ und beschreibt die Angst, etwas zu verpassen. Social Media soll laut Studien einen Einfluss auf das Selbstvertrauen und das Selbstwertgefühl haben. Meiner Meinung nach braucht man dafür aber keine Studien. Für mich ist es vollkommen nachvollziehbar, wenn zum Beispiel der Post und das Foto eines vollen Saales vom eigenen Workshop Likes über Likes erhascht. Dann fühle ich mich eben wahrgenommen und alle meine Follower finden mich super wichtig.

In der Folge gucke ich nach kurzer Zeit immer und immer wieder auf mein Handy, um die steigenden Likes und die rasante Verbreitung meines sinnfreien Bullshits zu checken. Des Weiteren kann ich meiner Fangemeinde ein Bild von mir bieten, das in der Realität oftmals gar nicht existiert. Erfolgsgeil posierend vor (m)einem Privatjet – und in dem Augenblick, in dem der Post in den Social-Media-Orbit wandert, steige ich ins 2. Klasse Abteil der Deutschen Bahn. Sowas möchte ich gar nicht verurteilen – passiert eben. Vielleicht liegt da auch irgendein Kick drin?

Die digitale Welt gibt uns ein wundervolles, einfaches Leben. Da haben wir es im Griff. Wir können es punktgenau kontrollieren und wir werden sofort „belohnt“. Und genau das ist der Unterschied zur Realität, dem echten Leben und echten Menschen. Vor allem aber auch den realen, sehr echten Problemen mit denen wir tagtäglich zu kämpfen haben.

So erkennen Sie FOMO

Haben Sie auch Angst, etwas zu verpassen? Keine Sorge, Sie sind in guter Gesellschaft. Einer

Umfrage nach geben mehr als die Hälfte der Social-Media-Nutzer an, selbst von FOMO betroffen zu sein. Zweifeln Sie an Ihrer Selbsteinschätzung, habe ich drei Merkmale für Sie

zusammengestellt, an denen Sie Ihr FOMO-Verhalten erkennen können:

  • Druck. Verspüren Sie beim Scrollen durch Facebook und Co. den Druck, selbst etwas posten zu müssen, um sich zu beweisen oder zwanghaft zu zeigen? Bei manchen Menschen geht es sogar soweit, dass Lügen-Stories erfunden werden, um dem Druck standzuhalten. Spätestens dann hat FOMO Sie voll im Griff.
     
  • Stress. Die Angst, etwas zu verpassen, kann ein extremer Stressfaktor sein. Sie versuchen ständig, es den anderen rechtzumachen oder gleichzutun, hetzen nur noch überall und nirgends umher, um irgendetwas zu erleben, das Sie der endlos großen Social-Media-Gemeinde – wahrscheinlich ist es eher die mickrige Follower- und Freundesliste – zeigen müssen.
     
  • Unsicherheit. Fühlen Sie sich unwohl oder angetriggert, wenn Sie sehen, was Ihre Freunde auf Facebook teilen? Und wo sie sich überall und mit wem ablichten? Fühlt es sich doof für Sie an, nicht mit von der Partie gewesen zu sein? Wenn Sie solche Unsicherheiten bemerken, während Sie in den Social-Media-Kanälen on Tour sind, spricht einiges für FOMO.

Auch Unternehmen sind betroffen

FOMO ist keine reine Privatsache. Ich denke hier vor allem an die Themen Arbeitssicherheit und Unfallverhütung. Denn wer permanent auf sein Smartphone glotzt, ist beispielsweise im Straßenverkehr gefährdet. Denken wir an all die Berufskraftfahrer, Busfahrer oder Maschinenführer – oder an jene Personen, die mit dem Auto zur Arbeit fahren. Nicht umsonst sorgen entsprechende Plakate an den Autobahnen in uns für ein ungutes Gefühl – Sie zeigen, dass die Smartphone-Nutzung im Straßenverkehr tödliche Folgen haben kann.

Und nun noch ein kleiner Denkanstoß zum Schluss: In den meisten Betriebsvereinbarungen zum Thema Sucht geht es immer nur um Alkohol, Drogen und Medikamente. Das Thema Social Media und Handy-Ablenkung taucht meist gar nicht erst auf. Wie sieht es bei Ihnen aus?

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