Detail
28.11.2019

Vermeidung und Reduzierung von schädlichem Verhalten – so kann es gelingen

Wie jeden Freitag sitzt er gemeinsam mit seinen Freunden in der Lieblingskneipe. Und wie immer wird viel getrunken und gelacht. Doch plötzlich tönt eine ihm allzu bekannte Melodie in sein Ohr. Die hoffnungsvollen Töne des guten alten Spielautomaten. Vorsichtig greift er in seine Hosentasche und lässt die Münzen klingeln – soll ich es noch einmal riskieren? Vier, fünf Euro machen mich doch nicht ärmer! Und obwohl er in Vergangenheit seine Spielsucht erkannt und nun schon seit langer Zeit erfolgreich dagegen angekämpft hat, wird er an diesem Abend sehr viel Geld verlieren – an den Spielautomaten, an seine Sucht.

Wie es gelingen kann Verhaltenssüchte in Zukunft zu reduzieren oder gar zu vermeiden, lesen Sie in diesem Blog.

Therapie ist angesagt!

Führt man sich die klar überwiegenden Nachteile vor Augen, vor allem die Folgen einer Sucht, dann sollte jedem einleuchten, dass er dagegen etwas unternehmen muss. Doch viele Menschen glauben von der Sucht nicht loszukommen. Oft fehlt es auch einfach an der eigenen Motivation oder der Leidensdruck ist nicht groß genug. Anderen fehlt wiederum die Einsicht, dass es sich hierbei um eine Krankheit handelt, die behandelt werden muss. Es ist schlichtweg einfacher dieses Verhalten beizubehalten, als es langfristig abzulegen.

Im Kopf kreisen die Gedanken: Ich kenne das und es gibt mir Sicherheit. Ich weiß wie es funktioniert, wie es sich anfühlt. Mir professionelle Hilfe zu holen bedeutet hingegen: Ich muss diese Sicherheit aufgeben, ich muss da raus. Ich weiß nicht was auf mich zukommt und wie es sich anfühlen wird. Ich kenne meine neuen Gefühle und Gedanken noch nicht und bin der Meinung ich kann das nicht schaffen…

Nicht den Kopf in den Sand stecken!

Es ist offensichtlich viel einfacher sich einer Sucht, einem schädlichen Verhalten zu ergeben als es aktiv zu ändern – getreu dem Motto: „Den Hintern vom Sofa hochheben ist bedeutend schwieriger als aufzustehen und loszulaufen.“ In dieser Sucht zu bleiben geht einher mit einer Opferhaltung und einer erlernten Hilflosigkeit. Viele Menschen machen es sich einfacher dort zu bleiben wo sie sind. Und diese Opferhaltung macht es sicherlich nicht einfacher vom passiven Verhalten in ein aktives Handeln umzuschwenken. Aber es bleibt die Entscheidung der Betroffenen, ob sie diese Herausforderung annehmen, Probleme lösen und ihr Leben in den Griff bekommen wollen, oder ob Sie weiterhin Vogelstraußpolitik betreiben wollen, den Kopf in den Sand stecken und nichts tun.

Wege aus der Sucht

Es gibt verschiedene Möglichkeiten schädlichem Verhalten zu entkommen. Vor allem geht es hier um ein Ziel: die Kontrolle über das eigene Leben gewinnen und sich nicht von äußeren Einflüssen oder von süchtigem Verhalten abhängig zu machen. Ich empfehle professionelle Hilfe. Diese kann zum Beispiel im Bereich Suchtberatung, Drogenhilfe, Selbsthilfegruppen etc. stattfinden. Auch ein Coach kann helfen. Eine Stoffgebundene Sucht gehört wiederum zuerst in ärztliche Hände, wenn ein Entzug oder eine Entgiftung ansteht. Diese können ambulant oder stationär erfolgen. Danach empfiehlt sich eine Psychotherapie. Dies kann eine Verhaltenstherapie sein, in der Betroffene mit bestimmten Situationen konfrontiert werden, die in der Vergangenheit typischer Auslöser dafür waren, dass sie sich dieser Verhaltenssucht hingegeben haben. In dieser Konfrontation wird versucht diese Situation auszuhalten und neue Bewältigungsstrategien zu finden. Die Erfolgsaussichten liegen hier sehr hoch und die Betroffenen lernen sich selbst zu beobachten, zu reflektieren, die Situation auszuhalten und nicht zum Handy zu greifen oder in die Spielhalle zu gehen. Sie machen im Laufe der Therapie die Erfahrung, dass der Suchtdruck langsam, in kleinen Schritten, nachlässt.

Nach der Therapie ist vor der Therapie

Wenn die Therapie abgeschlossen ist, gilt es die erlernten Bewältigungsstrategien im weiteren Leben aufrecht zu erhalten, da das Suchtgedächtnis nach wie vor aktiv ist. Sobald Probleme, Drucksituationen und Angst auftauchen, entsteht erneut das Verlangen wieder zu konsumieren, wieder zu spielen. Das Suchtgedächtnis weiß wie entspannend und wie schön der Betroffene sich früher in dieser Situation gefühlt hat und deshalb geht es darum, dass Betroffene in ihrem täglichen Leben darauf acht geben nicht wieder in das Suchtverhalten zu verfallen.

  zurück